Kann ein Mensch ein “Leithund” werden?

Ich gebe meine Einstellung bezüglich „Leithund werden“ gerne preis: ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen einem echten Leithund (mit vier Beinen) nie das Wasser reichen können und dennoch der Entscheidungsträger einer Mensch-Hund-Gruppe werden können. Es geht somit nicht darum, selbst zu einem “echten Leithund” zu werden, sondern als Mensch den Hund tief zu verstehen und an den eigenen Kompetenzen zu arbeiten, damit der Hund uns seinen Respekt entgegen bringen kann.

Vor 10 Jahren durfte ich miterleben, wie meine Hündin Kira das aggressive Verhalten meines Rüden Ben gegenüber Schäferhunden innerhalb von 10 Sekunden abgebrochen hatte und das ohne ihn auch nur zu berühren. Ich hatte es zuvor vier Jahre lang versucht selbst zu regeln – ohne Erfolg. Erst durch Kiras Verhalten wurde mir klar, dass wir einen Hund nur dann gut führen können, wenn wir zunächst viel über das Sozialverhalten von Hunden gelernt haben. Und zwar von souveränen Hunden. Von Kira durfte ich lernen, was wir Menschen leisten müssen, damit der Hund uns seinen Respekt entgegen bringen kann. Bis zu ihrem Tod im Alter von 14,5 Jahren durfte ich viel von ihr über die hündische Sprache lernen. Und auch wenn ich Kiras hündische Fähigkeiten nie übertraf (und auch nie übertreffen werde), Kira war erst zu dem Zeitpunkt ein entspannter Hund, als es mir gelang ihr und den anderen Hunde in meinem „Rudel“ die Orientierung und Klarheit zu geben, die sie brauchten. Wir Menschen können unserem Hund Orientierung geben und als Entscheidungsträger respektiert werden. Jedoch verschenken Hunde den Job des Entscheidungsträgers nicht. Erst wenn wir dem Hund auch in seiner Sprache Antworten geben können, kann der Hund uns auch als Entscheidungsträger wahrnehmen.